Zugspitzextremberglauf und Triathlon Weltmeisterschaft Langdistanz 2010

Der Zugspitzextremberglauf findet in einer grandiosen Naturlandschaft zur Zugspitze (2.929m), dem höchsten Berg Deutschlands, statt. Er erlangte traurige Bekanntheit durch zwei dramatische Todesfälle im Jahr 2008. Bei extremen Temperaturen kamen zwei Läufer ums Leben. Im Jahr 2009 wurde aufgrund heftiger Schneefälle eine Alternativroute gelaufen. In diesem Jahr waren die Wetterbedingungen mit über 25 Grad und Sonnenschein jedoch optimal. Der Weg bis zum Gipfel ist mit ca. 6-8 Stunden Gehzeit in div. Wanderführern angegeben. Sie führt durch alle alpinen Vegetationszonen und somit auch in hoch alpine Regionen, die alpine Gefahren und plötzliche Wetterveränderungen mit sich bringen können. Die Teilnahme setzt daher Bergerfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus. Der Lauf könnte demnach auch als Hochgeschwindigkeitsbesteigung bezeichnet werden. Kurze Passagen sind mit Stahlseilen gesichert. Start war am 11. Juli um 9:15 Uhr in Ehrwald (Österreich) auf 1.020 m. Bis zum Ziel auf 2.929 m waren rund 18 km zu absolvieren. Ich schätze ca. 12 km der Strecke konnten tatsächlich, wenn auch langsam, gelaufen werden, der Rest musste gegangen, gestiegen oder geklettert werden. Ich war fit und teilte mir das Rennen gut ein. Das Zeitlimit bis zur Zwischenstation Sonnalpin auf 2.600 Metern war kein Problem. Die Temperaturen kühlten deutlich mit der Höhe ab. Auf einigen Schneefeldern wurde es noch mal sehr rutschig bevor die letzten 400 Höhenmeter zum Gipfel in Angriff genommen werden konnten. Als immerhin schnellster Schleswig-Holsteiner kam ich in 3:42 h und 67. in meiner Altersklasse (276. gesamt von rund 500 Teilnehmern) ins Ziel. Nach kurzer Stärkung mit Semmelknödeln und Sauerkraut ging es dann mit der Seilbahn wieder bergab. Ich war noch so euphorisch, dass ich am liebsten auch wieder heruntergelaufen wäre.

14 Tage später und gut erholt ging es dann nach Immenstadt im Allgäu. Die Triathlon-Weltmeisterschaft des ITU-Weltverbandes für die Elite und Altersklassen (11Agegrouper") stand auf meinem Programm. Sie wurde zum ersten Mal Deutschland ausgetragen. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Die Qualifikationskriterien waren kein Problem und so konnte ich einen der begehrten Startplätze bereits Ende 2009 ergattern. Die Langdistanz des Triathlon-Weltverbandes ITU entspricht nicht der klassischen IRONMAN-Distanz ist aber aufgrund der bergigen Radstrecke von der Belastung her vergleichbar. Es waren 4 km zu schwimmen, 130 km Rad zu fahren und 30 km zu laufen. Das Wetter war die letzten Tage vor dem Wettkampf sehr schlecht. Der große Alpsee kühlte auf knapp 17 Grad Wassertemperatur ab. Mit den vorgeschriebenen Neoporenanzügen jedoch kein Problem. Am 1. August wurden um 7 Uhr zuerst 60 Elite-Triathleten auf die Strecke geschickt. 30 Minuten später waren dann die rund 600 Agegrouper dran. Der Kampf im Wasser dauerte für mich 1 Stunde und 12 Minuten. Als 298. kam ich im Mittelfeld aus dem Wasser und war froh, unversehrt auf das Rad steigen zu können. Die Radstrecke hatte es mit Steigungen bis zu 18 % und rund 2.000 Höhenmetern in sich. Das Wetter spielte mit und es wurde sogar noch sehr heiß. In den Abfahrten mit Geschwindigkeiten jenseits der 90 km/h musste dann Mut bewiesen werden. Meine Taktik, mich beim Radfahren an den Steigungen zurückzuhalten und Kräfte für das abschließende Laufen zu sparen, ging auf. Die 30 km lange Laufstrecke absolvierte ich in 2:37 h und konnte über 80 Plätze in der Gesamtwertung gutmachen. Nach 8:36 h kam ich als 52. in der Altersklasse M40 ins Ziel. Ein unvergessliches Erlebnis, im Nationaltrikot für Deutschland am Start gewesen zu sein, auch wenn es zum Weltmeistertitel nicht gereicht hat.

- Tino Günther

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